
Im Japanischen gibt es die Kunst des Kintsugi: Zerbrochene Keramik wird mit Gold repariert. Die Bruchstellen werden nicht versteckt, sondern hervorgehoben – und genau dadurch entsteht etwas Neues, Einzigartiges.
Für diese Übung lehnen wir uns an diesen Gedanken an – und lassen ihn lebendig werden. Weniger im Sinne von „Reparieren“, mehr im Sinne von Wachsen. Von innen heraus. Organisch. Sanft.
Wir wenden uns heute einem Bruch in unserem Herzen zu. Nicht einem ganz frischen, sondern einem, der schon etwas Abstand bekommen hat. Vielleicht ist er noch spürbar, aber nicht mehr überwältigend. Vielleicht hast du ihn bereits ein Stück weit eingeordnet. Oder du wählst einen symbolischen Bruch, der stellvertretend für andere stehen darf.
Du kennst diesen Bruch also schon – wir müssen nicht tief hineingehen.
1. Der Bruch beginnt sich zu füllen (3–4 Minuten)
Stell dir vor, dass sich in dieser Bruchstelle mit der Zeit etwas abgelagert hat. Etwas, das sich gesammelt, verändert, vielleicht sogar verwandelt hat.
Nimm wahr: Die Bruchstelle ist nicht mehr ganz so scharf, nicht mehr ganz so tief. Etwas hat sich darin bewegt.
Und weil unser Herz und unser Körper lebendig sind, darf auch das, was sich hier zeigt, lebendig sein. Etwas Organisches. Etwas, das sich wandelt.
Wie fühlt sich dieser Bruch jetzt an?
Satzanfang:
Wenn sich mein / der Bruch füllt, dann …
2. Nährboden entsteht (3–4 Minuten)
Was sich hier gesammelt hat, wird zu etwas Nährendem. Wie ein fruchtbarer Boden. Wie Humus – dunkel, reich, lebendig.
Und in diesen Boden fällt nun ein Samenkorn.
Spüre dich hinein in dieses Bild:
Wie ist es für dieses Samenkorn, genau hier zu landen?
Satzanfang:
Ich bin gelandet in … / Ich bin gelandet auf …
(aus der Perspektive des Samenkorns)
3. Ein Spross entsteht (3–4 Minuten)
Das Samenkorn beginnt zu keimen. Ein erster zarter Spross wächst.
Was geschieht nun in der Bruchstelle selbst?
Wie reagiert dieser Ort auf das Neue, das hier entsteht?
Satzanfang:
Wenn in mir etwas Neues sprießt, dann …
(aus der Perspektive der Bruchstelle)
4. Blühen (3–4 Minuten)
Aus dem Spross wächst eine Pflanze. Vielleicht beginnt sie zu blühen. Üppig. Farbenreich. Lebendig.
Vielleicht entstehen neue Samen. Vielleicht entsteht Nahrung. Vielleicht etwas, das weitergegeben werden kann.
Spüre in deinen Körper:
Wo zeigt sich dieses Blühen in dir? Wie fühlt es sich an?
Satzanfang:
Wenn es in mir blüht, dann …
(aus deiner eigenen Perspektive)
Diese Form des „Flowering Kintsugi“ lädt dich ein, Brüche nicht nur zu akzeptieren, sondern als fruchtbaren Boden zu erleben. Nicht alles wird wieder wie zuvor – doch etwas Neues kann entstehen. Etwas, das nicht trotz der Brüche wächst, sondern durch sie.
Margret Kurz MA BSc
KÖRPER | MENSCH | RAUM
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